Dreipunktgurt nachrüsten: Unterschied zwischen den Versionen

Aus T3-Pedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Zeile 12: Zeile 12:
 
'''Gurtbefestigungspunkte in der Karosserie'''
 
'''Gurtbefestigungspunkte in der Karosserie'''
  
Die Gurtverankerungspunkte in der Karosserie sind modellabhängig nicht in jedem T3 vorhanden. Vor allem bei den spärlicher ausgestatteten T3 LKW oder Kastenwagen (und darauf basierenden Campern) waren die Verankerungspunkte in den D-Säulen nicht vorgesehen und fehlen daher meist komplett. Bei Multivans und Co. sind die Befestigungspunkte vorhanden, wenn auch oft hinter der Verkleidung versteckt. Dort lassen sie sich unter der Stoffverkleidung erfühlen und mit einem kleinen Schnitt lässt sich eine herausdrehbare Kunststoffschraube freilegen. Wer also erwägt einen Dreipunktgurt nachzurüsten sollte zunächst klären, ob die erforderlichen Befestigungspunkte an der Karosse vorhanden sind oder nicht. Falls keine da sind können Dreipunktgurte ebenfalls nachgerüstet werden, nur erhöht sich dann der Aufwand, da zunächst die erforderlichen Verankerungspunkte (Gewindeplatten) eingeschweißt werden müssen. Sind die Verankerungspunkte vorhanden ist das Nachrüsten von Dreipunktgurten recht schnell und einfach zu bewerkstelligen. Die Folgende Abbildung zeigt die Position der serienmäßigen Befestigungspunkte für einen Dreipunktgurt hinten.  
+
Die Gurtverankerungspunkte in der Karosserie sind modellabhängig nicht in jedem T3 vorhanden. Vor allem bei den spärlicher ausgestatteten T3 LKW oder Kastenwagen (und darauf basierenden Campern) waren die Verankerungspunkte in den D-Säulen nicht vorgesehen und fehlen daher meist komplett. Bei Multivans und Co. sind die Befestigungspunkte vorhanden, wenn auch oft hinter der Verkleidung versteckt. Dort lassen sie sich unter der Stoffverkleidung erfühlen und mit einem kleinen Schnitt lässt sich eine herausdrehbare Kunststoffschraube freilegen. Wer also erwägt einen Dreipunktgurt nachzurüsten sollte zunächst klären, ob die erforderlichen Befestigungspunkte an der Karosse vorhanden sind oder nicht. Falls keine da sind können Dreipunktgurte ebenfalls nachgerüstet werden, nur erhöht sich dann der Aufwand, da zunächst die erforderlichen Verankerungspunkte (Gewindeplatten) eingeschweißt werden müssen. Sind die Verankerungspunkte vorhanden ist das Nachrüsten von Dreipunktgurten recht schnell und einfach zu bewerkstelligen. Die Folgenden Abbildungen zeigen die Positionen der Befestigungspunkte an der Karosse und eine Gewindeplatte zum Nachrüsten aus dem Zubehör.  
 
<gallery>
 
<gallery>
 
Beispiel.jpg|Abbildung 2a: Befestigungspunkte für Dreipunktgurte
 
Beispiel.jpg|Abbildung 2a: Befestigungspunkte für Dreipunktgurte
Zeile 20: Zeile 20:
 
'''Dreipunktgurtarten und -längen'''
 
'''Dreipunktgurtarten und -längen'''
  
Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Bauarten. Bei der werkseitigen Montage der hinteren Dreipunkgurte (z.B. Bluestarmodelle) sind die Gurtstrafferautomaten hinter der Verkleidung versteckt. Dort wird der Gurt durch die Verkleidung zum Umlenkpunkt in der D-Säule und von dort zur Sitzbank geführt (Abb. 3). Als günstigere und einfacher zu montierende Alternative haben sich zwischenzeitlich Gurtautomaten mit „lageunabhängiger Rolle“ etabliert. Hier wird der Gurtstraffer direkt in den Befestigungspunkt der D-Säule geschraubt (Abb. 4). Im Vergleich dazu ist das Nachrüsten von Gurtenstraffern hinter der Verkleidung aufwendiger, da zum Ausbau der Verkleidung (wenigstens auf der Beifahrerseite) auch die Rücksitzbank ausgebaut und zusätzlich die Gurtdurchführung durch die Verkleidung ausgesägt werden muss (siehe Montage).
+
Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Bauarten. Bei der werkseitigen Montage der hinteren Dreipunkgurte (z.B. Bluestarmodelle) sind die Gurtstrafferautomaten hinter der Verkleidung versteckt. Dort wird der Gurt durch die Verkleidung zum Umlenkpunkt in der D-Säule und von dort zur Sitzbank geführt (Abb. 3). Als günstigere und einfacher zu montierende Alternative haben sich zwischenzeitlich Gurtautomaten mit „lageunabhängiger Rolle“ etabliert. Hier wird der Gurtstraffer direkt in den Befestigungspunkt der D-Säule geschraubt (Abb. 4). Im Vergleich dazu ist das Nachrüsten von Gurtenstraffern hinter der Verkleidung aufwendiger, da zum Ausbau der Verkleidung (wenigstens auf der Beifahrerseite) auch die Rücksitzbank ausgebaut und zusätzlich die Gurtdurchführung durch die Verkleidung ausgesägt werden muss (siehe Montage). Neben der Bauform unterscheiden sich die Gurte auch im Sperrmechanismus. "DUO sensitiv Gurte" blockieren bei Zug und Lageveränderung des Fahrzeuges (Kippen, Überschlag), einfache sperren nur auf Zug.  
 
<gallery>
 
<gallery>
 
Datei:3PGurt OriginalVelauf.JPG|Abbildung 3: Originaler Gurte mit Gurtstraffer hinter der Verkleidung
 
Datei:3PGurt OriginalVelauf.JPG|Abbildung 3: Originaler Gurte mit Gurtstraffer hinter der Verkleidung

Version vom 13. April 2018, 08:56 Uhr

Weit verbreiteter Wunsch bei Busfahrern die serienmäßig hinten keine (Transporter) oder wegen der Klappbank nur Beckengurte haben (z.B. Multivans, Club Joker). In der Regel geht es darum die Sicherheit der hinteren Insassen zu verbessern und vor allem, um Kindersitze anschnallen zu können, da es inzwischen kaum mehr Modelle gibt, die für eine alleinige Sicherung mit einem Beckengurt zugelassen sind.

Das Nachrüsten ist im Prinzip einfach, dennoch gibt es bei der Auswahl der Teile und der Montage einige Dinge zu beachten, da sich sowohl Bauart und Länge der Gurte, die Bandschlösser zur Fixierung der Gurte als auch die Befestigungspunkte an der Karosserie unterscheiden.

Sollen Kindersitze angeschnallt werden können sind vor allem zwei Dinge zu beachten: 1) Der Gurt muss lang genug sein, da vor allem die Babyschalen durch die Platzierung gegen die Fahrtrichtung einen beträchtlichen Umfang haben. 2) Das Bandschloss zur Fixierung des Gurtes darf nicht zu weit aus dem Sitz herausschauen, da sich das Schloss sonst mit der Schale „zwickt“ und viele Kindersitze nicht richtig angeschnallt werden können (Abb. 7). Prinzipiell gilt aber, (fast) alles ist möglich (Abbildung 1a und 1b).


Gurtbefestigungspunkte in der Karosserie

Die Gurtverankerungspunkte in der Karosserie sind modellabhängig nicht in jedem T3 vorhanden. Vor allem bei den spärlicher ausgestatteten T3 LKW oder Kastenwagen (und darauf basierenden Campern) waren die Verankerungspunkte in den D-Säulen nicht vorgesehen und fehlen daher meist komplett. Bei Multivans und Co. sind die Befestigungspunkte vorhanden, wenn auch oft hinter der Verkleidung versteckt. Dort lassen sie sich unter der Stoffverkleidung erfühlen und mit einem kleinen Schnitt lässt sich eine herausdrehbare Kunststoffschraube freilegen. Wer also erwägt einen Dreipunktgurt nachzurüsten sollte zunächst klären, ob die erforderlichen Befestigungspunkte an der Karosse vorhanden sind oder nicht. Falls keine da sind können Dreipunktgurte ebenfalls nachgerüstet werden, nur erhöht sich dann der Aufwand, da zunächst die erforderlichen Verankerungspunkte (Gewindeplatten) eingeschweißt werden müssen. Sind die Verankerungspunkte vorhanden ist das Nachrüsten von Dreipunktgurten recht schnell und einfach zu bewerkstelligen. Die Folgenden Abbildungen zeigen die Positionen der Befestigungspunkte an der Karosse und eine Gewindeplatte zum Nachrüsten aus dem Zubehör.

Dreipunktgurtarten und -längen

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Bauarten. Bei der werkseitigen Montage der hinteren Dreipunkgurte (z.B. Bluestarmodelle) sind die Gurtstrafferautomaten hinter der Verkleidung versteckt. Dort wird der Gurt durch die Verkleidung zum Umlenkpunkt in der D-Säule und von dort zur Sitzbank geführt (Abb. 3). Als günstigere und einfacher zu montierende Alternative haben sich zwischenzeitlich Gurtautomaten mit „lageunabhängiger Rolle“ etabliert. Hier wird der Gurtstraffer direkt in den Befestigungspunkt der D-Säule geschraubt (Abb. 4). Im Vergleich dazu ist das Nachrüsten von Gurtenstraffern hinter der Verkleidung aufwendiger, da zum Ausbau der Verkleidung (wenigstens auf der Beifahrerseite) auch die Rücksitzbank ausgebaut und zusätzlich die Gurtdurchführung durch die Verkleidung ausgesägt werden muss (siehe Montage). Neben der Bauform unterscheiden sich die Gurte auch im Sperrmechanismus. "DUO sensitiv Gurte" blockieren bei Zug und Lageveränderung des Fahrzeuges (Kippen, Überschlag), einfache sperren nur auf Zug.

Je nachdem ob Babyschalen angeschnallt werden sollen oder nicht muss zudem auf die Gurtlänge geachtet werden. Die originalen Gurte (ET-Nr. 253 857 815 D) sind zu kurz und können Babyschalen in der Regel nicht umfassen. Eng kann es auch bei der Westfalia-Klappbank im Multivan werden, da sie etwa 10 cm weiter vorne und etwas tiefer befestigt ist, als die erhöhte zweier Klappbank in Campern mit Staufach über dem Motorraum (siehe Abbildungen 5). Der Standardgurt ist hier etwa 25 cm zu kurz. Seitens von VW wurden für diesen Fall Gurte produziert, die genau 25 cm länger sind (ET-Nr. 253 857 815 G). Im Zweifel lohnt es sich also einen extra langen Gurt zu wählen (egal ob original oder einen aus dem Zubehör), dann ist man in allen Fällen fein raus.

Bei Campern mit Innenausbau stellt sich noch eine zusätzliche Herausforderung, wenn es darum geht auf der Fahrerseite hinten links einen Dreipunktgurt einzubauen. In den meisten Fällen ist auch dass möglich, indem der Dreipunktgurt durch die Campingaustattung durchgeführt wird. Da sich die Ausbauvarianten jedoch stark unterscheiden ist häufig eine individuelle Lösung erforderlich (siehe Beispiele in Abb. 6a und 6b).

Bandschloss

Für Busfahrer mit tiefer Multivan Westfalia-Klappbank die hinten einen Kindersitz mit einem Dreipunktgurt fixieren wollen, können sich durch das Bandschloss, je nach Kindersitzmodell, weitere Herausforderungen ergeben: Die serienmäßigen, 30 cm langen Bandschlösser ragen zu weit aus der Sitzbank raus und der Sitz lässt sich nicht richtig fixieren, da sich Bandschloss und die Hartschale des Kindersitzes in die Quere kommen (Abb. 7). Provisorische Abhilfe lässt sich schaffen indem der Sitz auf ein Polster gestellt und erhöht wird bis das Bandschloss straff ist, ein anderer Kindersitz angeschafft oder der Kindersitz auf den Beifahrersitz wandert und das ganze dort ausgesessen wird bis kein Kindersitz mehr nötig ist.

Wer kein Freund provisorischer Lösungen ist kann alternativ die Gurtschlösser gegen kürzere tauschen. Der Wechsel ist schnell und einfach zu bewerkstelligen und die Teile sind bei spezialisierten Zubehörhändlern verfügbar (z.B. www.oldtimer-sicherheitsgurte.de). Abhängig vom Kindersitz wird ein Bandschloss mit einer Gesamtlänge von etwa 15 cm (gemessen über alles bis zur Mitte der Bohrung der Befestigungslasche) und „neuer Schließung“ benötigt (Abb. 8). Serienmäßig sind die Bandschlösser mit abgewinkelten Laschen an der Karosserie befestigt. Die im Zubehör erhältlichen Teile haben meist eine gerade Lasche. Sie lassen sich trotzdem befestigen, indem z.B. Unterlegscheiben oder ein Befestigungswinkel verwendet wird (Abb. 9). Auch die Extraanfertigung eines individuellen Bandschlosses (Länge und Lasche) ist bei einzelnen Anbietern gegen Aufpreis möglich. Wird ein 15 cm langes Bandschloss in Kombination mit einem 4 cm langen Befestigungswinkel verwendet, ragt das Gurtschloss bei der einer Multivan Westfalia-Klappbank etwa 6 cm aus dem Sitz raus und Kindersitze können problemlos befestigt werden (Abb. 10). Achtung: Starre Gurtpeitschen sind nicht empfehlenswert, da sie beim Umklappen der Rückbank stören.

Montage

Die Montage von Dreipunktgurten ist mit einfachen Werkzeugen machbar und weitgehend selbsterklärend. Nachfolgend die wesentlichen Arbeitsschritte zur Nachrüstung des originalen Dreipunktgurtes hinten links (rechte Seite spiegelbildlich), wie sie auf t3-Infos hinterlegt sind:

  • Sitz-/Liegebank ausbauen (beim Nachrüsten eines Gurtes auf der Beifahrerseite; auf der Fahrerseite ist die Verkleidung hinten geteilt ist und die Bank kann (vermutlich?) drin bleiben)
  • Seitenverkleidung ausbauen
  • Maße der Gurtaussparung (Abb. 11 links) auf Verkleidung übertragen und Ausschnitt für Gurtdurchführung ausschneiden (z.B. Karosserie- oder Stichsäge)
  • Aufrollautomat mit Sechskantschrauben (M8 x 20) und Unterlegscheiben befestigen (Abb. 12)
  • Gurtband mit Blende, Umlenkung, und Einstecklasche durch den Ausschnitt führen, Blende einsetzen und Verkleidung befestigen.
  • Umlenkrolle mit Distanzstück und Sechskantschraube (40 Nm) am Befestigungspunkt in der D-Säule fixieren und Abdeckkappe aufsetzen.
  • Vorderes Gurtende an der Gurtaufnahme befestigen (40 Nm), an der vorher der Beckengurt montiert war (falls vorhanden Führungstülle des ausgebauten Beckengurtes übernehmen).
  • Sitz-/Liegebank montieren

Eintragung & Zulassung

Alle üblicherweise verfügbaren Dreipunktgurte haben eine eigene, individuelle „Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE)“. Werden Sie (auf korrekte Weise) an den originalen Befestigungspunkten angebracht ist keine Eintragung oder Abnahme durch den TÜV erforderlich.