Kühlkreis Wasserladeluftkühler (W-LLK): Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 31. Juli 2020, 22:55 Uhr

Zusätzlicher Kühlkreislaufs

Die Installation eines zusätzlichen Kühlkreises ist bei allen W-LLK Lösungen zwingend nötig und weitgehend unabhängig vom verwendeten W-LLK. Der Konzeption des Kühlkreises sollte besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden, da sie über Teilebedarf, Einbauaufwand, die Leistung des W-LLK-Systems und ggf. auch über die Wartung bestimmt.

Für eine optimale Durchströmung durch den Fahrtwind bietet sich ein zusätzlicher Wasserkühler vorne vor dem Hauptkühler an. Als Kühler sollte idealerweise ein Wasser- und kein Ölkühler verwendet werden, da Wasserkühler üblicherweise eine höhere Netzdichte (und damit größere Kontaktfläche) sowie einen geringen Durchströmungswiderstand als Ölkühler aufweisen. Letztere sind aufgrund des höheren Drucks und der geringeren Viskosität robuster gebaut. Zusätzlich ist die bei Ölkühlern häufig verwendete Banjo Verschraubung auf hohe Drücke und nicht für optimale Durchströmung optimiert. Wird ein Ölkühler als Gegenkühler verwendet sollte er möglichst groß sein. Mögliche Abmessungen oben vor dem Hauptkühler sind: 4,5 x 55 x 14 mm (Tiefe, Breite, Höhe). Unten ist Platz für folgende Abmessungen (XXX).

Die folgenden Informationen zu Kühlkreis und Pumpe wurden an einem AAZ mit Vinreeb W-LLK verbaut und getestet, sie sind prinzipiell aber für alle W-LLKs und Motoren geeignet. Die Doku gliedert sich in:

  1. Skizze und Konzeption des Kühlkreises
  2. Einbau eines Cinquecento Kühlers und Smart-Ausgleichsbehälters vorne neben dem Kühler
  3. Anschließen der Pumpe und Entlüftung des Systems

Die Peripherie wurde zwischendrin verlegt und wird nicht gesondert beschrieben. Eine Teileliste des hier skizzierten Systems befindet sich am Ende der Dokumentation. Wie immer gilt, es führen unterschiedliche Wege nach Rom und Kühlkreise können aus sehr vielen verschiedenen Teilen aufgebaut werden. Der nachfolgend beschriebene Ansatz wurde mehrfach umgesetzt, ist weitgehend wartungsfrei, im Bulliforum beschrieben und hat sich im mehrjährigen Einsatz als praxistauglich erwiesen.

Aufbau und Konzeption des Kühlkreises

  • Durchströmung des Kühlers von unten nach oben. Das stellt sicher, dass alle Luft aus dem Kühler entweichen und er vollständig durchflossen werden kann.
  • Ausgleichsbehälter an höchster Stelle. Damit entsteht ein sich selbst entlüftendes System. Als Montageort für den AGB bietet sich z.B. der Raum hinter dem oberen Grill an, zumindest bei runden Lichtern (passt er auch dort auch mit eckigen Scheinwerfern hin?). Ggf. k nbann der AGB auch oben im Motorraum oder hinter den Lufteinlässen im Ohr platziert werden.
  • Pumpe an tiefster Stelle. Dadurch wird sichergestellt, dass die Pumpe immer im Wasser steht (viele Pumpen haben einen Trockenlaufschutz). Als Montageort bietet sich z.B. der Raum vorne neben der Hupe an. Das hat den Vorteil, dass die Befüllung zum Kinderspiel wird und kurze Kabelwege zur Zentralelektrik möglich sind. Alternativ bietet sich der Einbau der Pumpe im Motorraum an.
  • Möglichst wenige Querschnittsänderungen. Jedes W-LLK System muss zwangsläufig aus unterschiedlichen Komponenten zusammengebastelt werden, wodurch sich unterschiedliche Querschnitte selten vermeiden lassen. Die Anzahl der Querschnittsänderungen hängt davon ab welcher Kühler, welcher AGB und welcher W-LLK verwendet werden. Zur Optimierung der Durchströmung sollte versucht werden die Anzahl der Querschnittsänderungen zu minimieren und möglichst kontinuierliche statt abrupte Reduzierungen zu verwenden.

Nachfolgend ist eine (von vielen möglichen) Strömungsskizze eines Kühlkreises dargestellt, bei dem versucht wurde diese Punkte zu berücksichtigen. Die Zahlen kennzeichnen die Innendurchmesser der jeweiligen Abschnitte und sind Beispielhaft für den Vinreeb W-LLK, der 16er Ein- und Ausgänge hat.

Mögliches Kühlkreisschema für einen W-LLK

Einbau von Kühler, Ausgleichsbehälter und Peripherie:

  • Kühler ausbauen: Fahrzeug hoch, Reserverad und Reserveradwanne ausbauen, Kühlerschläuche abziehen, Kühler abstützen, Thermoschalter und Ventilator abstecken, Halter aufschrauben und Kühler ablassen. Hinweis: Es gibt vereinzelt auch Berichte im Forum, dass der Hauptkühler nicht ausgebaut werden musste und ein Lösen der unteren Schrauben und (zeitweises) versetzen des Kühlers ausgereicht hätten.
  • Cinquecento Kühler einbauen: Kühler hinhalten, überstehende Teile markieren und entfernen (1x Schraubenaufnahme und Plastikrundung).
  • Der Kühler wurde hier etwas asymmetrisch nach links versetzt und mit Lochband/ Drahtband so nah wie möglich an den Streben fixiert (letztere wurden mit Fahrradschlauch „gepolstert“, da ich Sorge hatte, dass durch das Anliegen von Metall auf Alu die Lamellen auf Dauer beschädigt werden). Die Befestigung des Cinquecento Kühlers mit Schlauchhaltern, so wie von manchen Usern im Forum beschrieben, war hier nicht möglich. Dadurch saß der Cinquecento Kühler etwa 1 cm weiter hinten und der Hauptkühler ging nicht mehr rein. Möglicherweise ist meine T3-Karosse mit flachem Tunnel und/ oder der große Behr-Hauptkühler dafür verantwortlich?
Blick auf die Kühlzentrale mit Cinquecento Kühler unten vor dem Hauptkühler. Das schwarze oben ist ein Setrab Pro Line SLM 14 Reihen Ölkühler (490x136x40), der ebenfalls noch vor dem Hauptkühler Platz hat. Falls das jemand nachbauen sollte, es braucht vermutlich nicht das dickste Pferd ausm Setrab Stall. Ein 10 oder 12 Reihen Ölkühler sollte auch genügen, da mit diesem Setup hier über rund 20.000 Km (inklusive zwei sehr heißer Sommer, Passstraßen in den Alpen und Vollgasetappen auf der Autobahn) und validierter Öltemperaturmessung niemals Öltempertaturen > 90 °C erreicht wurden.
  • Kühler probehalber einschieben dann aber wieder raus.
  • Ausgleichsbehälter (AGB) montieren: dazu zunächst die Verschlauchung (Winkelstück) vom Kühler zum AGB anbringen und mit Federbandschellen fixieren. Dadurch wird die Position des AGBs festgelegt und er sitzt auch schon einigermaßen fest wenn man ihn einbaut. Beim Bau der Halterung geht es eher darum, dem AGB eine Führung zu geben und weniger darum, dass er richtig fest gemacht wird. Die Fixierung wurde auch mit Lochband gebastelt.
  • Dann die vom AGB nach unten führende Reduzierung zur Pumpe (32-18) und die Reduzierung vom Kühler zum W-LLK Vorlauf anbringen. Letztere wurde hier mit einem Kühlwasserschlauchstück vom Schrott und einer Reduzierung aus dem Teichzubehör gebastelt. Letztere lässt sich mit Silikonteilen vermutlich noch schöner lösen. Alle Schläuche wurden mit Federbandschellen fixiert.
Platzierung und Montage Ausgleichsbehälter
Ausgleichsbehälter von hinten und Kühlerzulauf inkl. Reduzierstück
  • Restliche Peripherie verlegen: Verschlauchung von Pumpe zu W-LLK (Vorlauf) und von W-LLK zu Kühler (Rücklauf) verlegen und alles mit Federbandschellen fixieren. Hier sitzt die Pumpe neben der Hupe. Ich wollte sie erst fest schrauben aber durch die Schläuche sitzt sie bereits sehr fest und sie kann eigentlich nicht aus. Also hängt sie da jetzt rum. Reichlich Kabelbinder sorgen dafür, dass die Wasserleitungen von vorne bis hinten in den Motorraum an dem ihnen zugewiesenen Platz bleiben.
Silikonverbindung/-verjüngung zwischen Ausgleichsbehälter und Pumpe
Zwischen den Kühlernetzen ist 1-2 cm Luft
Cinquecentokühler fertig montiert


  • Kühler wieder einschieben und Luftleitpappen (so weit möglich) wieder montieren (Luftlöcher vollständig schließen falls Kühlsystem nicht topp in Schuss). Hier berühren sich die Rahmen der beiden Kühler (in der Abbildung gerade so zu erahnen), wodurch der Cinquecento Kühler zusätzlich fixiert wird. Zwischen den Kühlernetzen ist etwa 1-2 cm Spiel.

Für diese Arbeiten haben wir zu zweit etwa 5.5 h gebraucht, wobei die ersten 1-2 Stunden für die Verlegung des Ölkühlers von unten nach oben erforderlich waren und wir gemütlich unterwegs waren. Durch die diversen Querschnittsänderungen war die Herstellung und Fixierung der Schlauchverbindungen in Summe am zeitaufwendigsten.

Einbau des W-LLKs im Motorraum

Dieser Schritt wird hier nicht beschrieben, da er von der konstruktiven Gestaltung des W-LLKs und den damit verbundenen Leitungsquerschnitten abhängt. Im weiteren wird davon ausgegangen, dass dieser Schritt erfolgreich erledigt wurde.

Pumpe anschließen

  • Leitungen von der Pumpe zur Zentralelektrik in den Innenraum legen. Die Funktion der Pumpe sowie das Bestimmen von Saug- und Drückseite sollte im Vorfeld bereits erfolgt sein.
  • Pumpe korrekt verkabeln, so dass die Pumpe nur bei laufendem Motor anspringt. Letzteres lässt sich mit Hilfe eines einfachen KFZ Relais erreichen. Dazu Relais z.B. am oder in der Nähe des Sicherungskasten platzieren und den Schaltkreis über das D+ Signal der Lichtmaschine ansteuern. Dadurch springt die Pumpe beim anschalten des Motors an (Belegung der Relaisklemmen: 85 = D+, 86 = Masse, 30 = Dauerplus, 87 = Pumpe). Die Absicherung des Laststromkreises dabei nicht vergessen (hier genügen 7.5 A).
  • D+ kann am Sicherungskasten von Klemme 4 der Schaltgruppe G (vgl. Zentralelektrik von hinten) bzw. von dem dort abführenden Kabel abgegriffen werden. Dauerplus liegt gegenüber an der Klemme 30 der Gruppe P an. Ggf. vorab testen (Multimeter).
Einbauort Relais

Zeitbedarf: Ca. 1.5 h je nachdem wie die Kabelverbindungen hergestellt werden (Löten dauert länger) und wie aufwendig das Verlegen der Kabel ist. Den Stecker an der Pumpe vor Spritzwasser schützen (hier wurden Schrumpfschläuche verwendet).

W-LLK Kreislauf befüllen und entlüften

  • Das Befüllen und Entlüften des W-LLK Kreises ist bei Beachtung der konzeptionellen Punkte einfach: Wasser + Frostschutz bei laufender Pumpe solange nachfüllen bis keine Luftblasen mehr kommen und der Wasserstand im AGB konstant bleibt. Die erforderliche Menge hängt vom Kühler-, Schlauch- und Ausgleichsbehältervolumen ab. Benötigt werden je nach System ca. 4-6 Liter.
  • Hilfreich ist eine zweite Batterie oder entsprechend lange Kabel um die Pumpe unabhängig vom laufenden Motor mit Strom zu versorgen. Dann hört man besser, ob die Pumpe arbeitet oder nicht. Achtung: Es gibt Pumpen mit Trockenlaufschutz die abschalten, sobald saugseitig kein Wasser mehr da ist.
  • Pumpen kommen prinzipiell sehr viele in Betracht (siehe Forenlinks). Da muss jeder seine individuelle Lösung finden. Die Förderrate des hier verwendeten Exemplars ist unbekannt, sie scheint aber hinreichend zu sein.

Zeitbedarf: Ca. 5 min

Kühlwasserkreislauf beim Turbodiesel befüllen und entlüften

  • Die Komponenten und Funktion des Kühlkreises sind im Artikel Kühlung beschrieben.
  • Das Befüllen und Entlüften ist hier beschrieben. Hinreichend Kühlerfrostschutzmittel besorgen!

Zeitbedarf: Ca. 20-30 min, je nachdem wie schnell der Motor warm wird.